Versteckte Kameras in der Ferienwohnung: Was Airbnb-Vermieter dürfen
Die Angst, in einer Ferienwohnung heimlich gefilmt zu werden, ist berechtigt. In den letzten Jahren wurden in Deutschland, Frankreich und den USA wiederholt versteckte Kameras in Airbnb-Unterkünften entdeckt — oft in Rauchmeldern, Wandsteckern oder Uhren. Diese Fälle sind rechtlich eindeutig: Heimliche Kameras im Innenbereich einer gebuchten Unterkunft sind eine schwere Straftat.
Gleichzeitig gibt es auch legale Überwachung — etwa an Hauseingängen oder in Gemeinschaftsbereichen. Der Unterschied zwischen erlaubt und strafbar liegt in wenigen, klaren Regeln, die jeder Reisende kennen sollte.
Airbnb-Vermieter dürfen Kameras im Außenbereich und in öffentlichen Innenräumen nutzen, solange diese in der Angebotsbeschreibung ausgewiesen sind. Kameras in Schlaf- und Badezimmern sind immer verboten. Heimliche Aufnahmen sind in Deutschland nach § 201a StGB eine Straftat.
1. Was Vermieter in Deutschland dürfen
Das deutsche Recht schützt die Privatsphäre besonders streng. § 201a StGB stellt das heimliche Anfertigen von Bildaufnahmen in Wohnungen unter Strafe — mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Dies gilt unabhängig davon, ob die Wohnung gerade bewohnt ist oder vermietet wird.
Erlaubt sind Kameras nur unter drei kumulativen Bedingungen: Sie überwachen keine privaten Räume wie Schlafzimmer, Badezimmer oder Wohnzimmer. Sie sind für den Gast offen sichtbar oder in den Buchungsunterlagen ausgewiesen. Die DSGVO-konforme Hinweispflicht ist erfüllt — also ein Schild am Eingang oder ein Hinweis in der Angebotsbeschreibung.
Legale Positionen sind etwa: Kameras am Hauseingang zur Überwachung des Zugangs, Kameras in gemeinschaftlich genutzten Fluren bei Mehrparteienhäusern, Außenkameras auf Terrasse oder im Garten, wenn der öffentliche Raum nicht miterfasst wird. Eindeutig illegal sind Kameras in jeder Form im Schlafbereich, Bad, Wohnzimmer oder der Küche, selbst wenn sie „nur" auf einen Teil des Raums gerichtet sind.
2. Airbnb-Hausregeln und Offenlegungspflicht
Airbnb selbst verbietet seit 2024 grundsätzlich alle Innenkameras in Ferienwohnungen — unabhängig davon, ob sie offen angebracht oder versteckt sind. Die Regel gilt weltweit und ersetzt die alte Policy, bei der Innenkameras noch mit Offenlegung zulässig waren. Vermieter, die trotzdem Kameras im Innenbereich einsetzen, verstoßen gegen die Nutzungsbedingungen und riskieren den Ausschluss von der Plattform.
Außenkameras, Türklingel-Kameras und Lärmsensoren sind weiterhin erlaubt, müssen aber in der Angebotsbeschreibung vor der Buchung genannt werden. Wer nach Einzug feststellt, dass eine nicht deklarierte Kamera existiert, kann die Buchung bei Airbnb reklamieren und eine Rückerstattung einfordern — unabhängig von einer strafrechtlichen Prüfung.
3. Versteckte Kameras finden — praktische Anleitung
Wer in einer Ferienwohnung auf Nummer sicher gehen möchte, nimmt sich direkt nach dem Einzug 10 bis 15 Minuten Zeit für eine systematische Prüfung. Die Methoden:
Sichtprüfung der Sichtlinien: Der einfachste Ansatz ist die Perspektive eines hypothetischen Spanners. Vom Bett aus betrachtet: Welche Gegenstände im Raum haben einen freien Blick? Rauchmelder, die nicht an der Decke, sondern an der Seitenwand angebracht sind, sind das größte Warnsignal. Echte Rauchmelder werden nach Norm zentral an der Decke montiert — alles andere ist verdächtig.
Taschenlampen-Reflexionstest: Raum komplett abdunkeln. Mit der Smartphone-Taschenlampe aus etwa einem Meter Entfernung alle verdächtigen Objekte ausleuchten — Rauchmelder, Uhren, USB-Ladegeräte, Deko-Objekte. Kameralinsen reflektieren als kleiner, blauer oder weißer Lichtpunkt. Dabei mehrere Winkel testen: Der Punkt wandert mit der Lichtquelle.
WLAN-Scan: Nach dem Einchecken mit dem WLAN der Unterkunft verbinden und die App „Fing" oder „Network Analyzer" nutzen. Beide Apps listen alle Geräte im Netzwerk. Verdächtig sind Einträge wie „IP Camera", „Xiaomi Cam" oder „Wyze" — wenn der Vermieter nicht ausdrücklich Kameras angekündigt hat.
Infrarot-Test: Viele Kameras nutzen unsichtbares Infrarotlicht für Nachtaufnahmen. Im dunklen Raum mit der Selfie-Kamera des Handys alle verdächtigen Objekte filmen — eine aktive Infrarot-Quelle erscheint als violetter Punkt auf dem Handy-Display, auch wenn das menschliche Auge nichts sieht.
4. Was tun bei konkretem Verdacht?
Wird tatsächlich eine Kamera gefunden, ist die richtige Reihenfolge entscheidend:
- Kamera fotografieren — mit Kontextaufnahme der ursprünglichen Position.
- Kamera nicht abbauen, entfernen oder zerstören. Sie dient als Beweismittel.
- Die Unterkunft verlassen, auch wenn dadurch Kosten entstehen. Kein weiterer Aufenthalt in einem Raum mit Kamera.
- Polizei rufen (110). Die Beamten sichern die Kamera als Beweismittel.
- Parallel Airbnb-Support kontaktieren — über die Notfall-Hotline in der App. Airbnb reagiert in der Regel binnen 2 bis 4 Stunden mit einer neuen Unterkunft und voller Rückerstattung.
- Kontoauszüge und Buchungsbestätigung sichern — für eventuelle Zivilverfahren wegen Schmerzensgeld.
5. Besonderheiten in Hotels
In klassischen Hotels sind Kameras in Zimmern ebenfalls verboten — aber Hotels haben grundsätzlich mehr überwachte öffentliche Bereiche als Ferienwohnungen. Gänge, Aufzüge, Lobby, Restaurants und Parkhäuser sind regelmäßig kameraüberwacht, was gesetzlich zulässig ist. Zimmereingänge ebenfalls — hier gilt ähnliches Recht wie bei Mehrfamilienhaus-Treppenhäusern.
Bei Hotel-Apartments und Serviced Apartments gelten die Ferienwohnungs-Regeln: Keine Kameras im Innenraum der Zimmer. Wer einen Verdacht hat, kann die gleichen Prüfungen wie in Airbnb-Unterkünften durchführen.
Fazit
Die heimliche Kamera in der Ferienwohnung ist keine Verschwörungstheorie, sondern dokumentiert in zahlreichen Strafverfahren. Eine 15-minütige Prüfung nach dem Einchecken schafft Sicherheit — und im unwahrscheinlichen Fall eines Fundes ist die Rechtslage eindeutig zugunsten des Gastes. Airbnb reagiert in solchen Fällen inzwischen sehr schnell, deutsche Strafverfolgung nimmt die Fälle ernst. Wer sich an die beschriebenen Methoden hält, reist mit deutlich mehr Ruhe.
Häufige Fragen
Dürfen Airbnb-Vermieter überhaupt Kameras nutzen?
Airbnb verbietet seit 2024 grundsätzlich alle Innenkameras in Ferienwohnungen. Außenkameras, Türklingel-Kameras und Lärmsensoren sind erlaubt, müssen aber in der Angebotsbeschreibung vor der Buchung genannt werden. Nicht deklarierte Kameras sind ein Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen.
Was sollte ich tun, wenn ich eine versteckte Kamera finde?
Nicht anfassen, nicht abbauen. Sofort fotografieren mit Kontextbild, Zimmer verlassen, Polizei rufen (110) und parallel Airbnb-Notfall-Support kontaktieren. Airbnb reagiert in solchen Fällen binnen 2 bis 4 Stunden mit Ersatz-Unterkunft und voller Rückerstattung.
Sind Kameras im Flur oder Eingangsbereich einer Ferienwohnung erlaubt?
Nein. Seit der Airbnb-Policy-Änderung 2024 sind sämtliche Innenkameras unabhängig vom Raum verboten — auch in Eingangsbereichen, Fluren und Gemeinschaftsküchen. Nur Außenkameras am Eingang sind zulässig, wenn angekündigt.
Wie erkenne ich eine Infrarot-Kamera, die im Dunkeln filmt?
Im abgedunkelten Raum die Selfie-Kamera des Smartphones auf verdächtige Objekte richten. Aktive Infrarot-LEDs erscheinen auf dem Handy-Display als violette oder pinke Punkte, sind mit bloßem Auge aber unsichtbar. Das funktioniert zuverlässig bei den meisten günstigen Überwachungskameras.