Türschloss austauschen: Anleitung, Kosten und Werkzeug
Ein Schloss auszutauschen ist eine der ersten und wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen nach einem Wohnungsbezug, einem Einbruch oder einer Trennung. Die gute Nachricht: Ein Profilzylinder-Tausch ist auch ohne Fachbetriebs-Kenntnisse in 15 bis 30 Minuten machbar, das nötige Werkzeug kostet unter 20 Euro. Die Qualität des neuen Zylinders entscheidet dann über den tatsächlichen Einbruchsschutz.
Ein Profilzylinder-Wechsel ist DIY in 30 Minuten machbar. Ein hochwertiger Zylinder mit Aufbohrschutz, Sicherungskarte und Not- und Gefahrenfunktion kostet 80 bis 180 Euro. Die Fachbetrieb-Montage kostet zusätzlich 60 bis 120 Euro. Für normale Mietwohnungen reicht DIY, bei komplexen Türen (mit Panzerriegel oder Mehrfachverriegelung) ist der Fachbetrieb sinnvoll.
1. Wann sollte das Schloss getauscht werden?
Es gibt sechs Situationen, in denen ein Zylinderwechsel dringend angeraten ist:
- Einzug in eine neue Wohnung: Vermieter, Vormieter, Handwerker und andere Personen können über Jahre hinweg Nachschlüssel besessen haben. Nach einem Einzug ist völlig unklar, wer noch Zugang hat.
- Schlüsselverlust: Wenn ein Schlüssel verloren geht, sollte schnell gewechselt werden — besonders wenn Adressindizien am Schlüsselbund hingen.
- Nach einem Einbruch: Auch wenn nichts gestohlen wurde, sollten die Schlösser aller Türen ausgetauscht werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Abdrücke gemacht wurden.
- Nach einer Trennung: Bei Konflikten mit einem früheren Partner oder Mitbewohner, der noch Schlüssel besaß.
- Bei altem Zylinder ohne Sicherungskarte: Nachschlüssel kann jeder anfertigen lassen, auch wenn der Original-Besitzer es nicht autorisiert hat.
- Bei beschädigtem Schloss: Wenn der Schlüssel sich schwer dreht, das Schloss knirscht oder den Schlüssel festhält.
2. Welcher Zylinder eignet sich?
Die Auswahl ist groß und verwirrend. Die wichtigsten Kriterien:
Widerstandsklasse nach DIN EN 1303: Zylinder werden in sechs Widerstandsklassen eingeteilt. Für normale Haustüren sollte mindestens Klasse 5 gewählt werden — idealerweise mit erweitertem Aufbohr- und Ausziehschutz.
Sicherungskarte: Ein Zylinder mit Sicherungskarte lässt sich nur mit der Karte nachbestellen. Verlorene oder gestohlene Schlüssel können nicht einfach durch einen Schlüsseldienst kopiert werden. Die Karte wird vom Hersteller mit einer eindeutigen ID versehen.
Not- und Gefahrenfunktion: Diese Funktion ermöglicht das Öffnen des Schlosses von außen, auch wenn innen ein Schlüssel steckt. Bei Wohnungs- und Haustüren sehr wichtig — ohne diese Funktion kann bei einem Notfall niemand von außen eingreifen.
Aufbohr- und Anbohrschutz: Hochwertige Zylinder haben gehärtete Stahlstifte im Inneren, die das Aufbohren erheblich erschweren. Professionelle Einbrecher nutzen manchmal spezielle Bohrer — ein guter Zylinder widersteht auch diesen.
Ziehschutz: Beim sogenannten „Ziehen" wird mit einer speziellen Schraube in das Schloss gedreht und der Zylinder aus dem Schloss gerissen. Ein Zylinder mit Ziehschutz hat innere Verstärkungen, die das verhindern.
Empfohlene Hersteller mit Sicherungskarte und den genannten Features: Abus, Dom, Evva, Kaba, Wilka. Preisklasse: 80 bis 200 Euro für einen einzelnen Zylinder.
3. Das richtige Werkzeug
Für den Zylinder-Wechsel braucht es nicht viel:
- Ein Kreuzschlitzschraubendreher Größe PH2 (die Befestigungsschraube ist meist mit Kreuzschlitz)
- Alternativ ein Akkuschrauber mit Kreuzschlitz-Bit
- Der neue Zylinder plus drei Schlüssel (oft im Set enthalten)
- Eventuell ein kleines Öl oder Graphit-Spray für das Schloss
Wichtig vor dem Kauf: Die exakte Zylinder-Länge ausmessen. Die Länge wird als „A + B" angegeben — A ist der Anteil nach innen, B der nach außen. Die häufigsten Längen liegen bei 30/30, 30/35, 35/30 und 35/35 Millimetern. Wer den falschen Zylinder kauft, steht vor einem Problem: Zu kurz, und der Zylinder lässt sich nicht schließen; zu lang, und er ragt übermäßig vor und lässt sich leichter ziehen.
Die Messung: Den bestehenden Zylinder durch einen halben Schlüsseldreh in einem 45-Grad-Winkel bringen, dann einen Schieber oder eine Schrauben-Maßlehre anlegen. Alternativ die bestehende Befestigungsschraube lösen, den Zylinder herausziehen und mit Lineal messen.
4. Anleitung: Schritt für Schritt
- Schloss öffnen: Den Zylinder in 45-Grad-Winkel drehen. Nur in dieser Position lässt er sich aus dem Schloss ziehen.
- Befestigungsschraube lösen: An der Stirnseite der Tür, zwischen der Falle und dem Schließriegel, befindet sich eine Kreuzschlitzschraube. Diese vollständig lösen (nicht entfernen — sie bleibt in der Tür).
- Alten Zylinder ziehen: Bei gedrehtem Zylinder an einem Schlüssel ziehen. Der Zylinder sollte sich ohne Kraft herausziehen lassen. Wenn es klemmt, nochmal prüfen, ob er tatsächlich im 45-Grad-Winkel steht.
- Neuen Zylinder einsetzen: Den neuen Zylinder genauso im 45-Grad-Winkel halten und in das Schloss einführen. Es muss sich ohne Kraft einschieben lassen. Wichtig: Das lange Ende nach außen zeigend, das kurze Ende innen.
- Befestigungsschraube anziehen: Mit dem Schraubendreher die Schraube festziehen — nicht überdrehen. Der Zylinder sitzt fest, wenn er sich nicht mehr in der Tür bewegt.
- Funktionstest: Mit dem neuen Schlüssel mehrfach schließen und öffnen. Prüfen, ob der Riegel und die Falle ordnungsgemäß ausfahren. Bei festem Gefühl oder Knirschen einen Tropfen Öl oder Graphit-Spray einsprühen.
- Alle Schlüssel testen: Jeden mitgelieferten Schlüssel einmal einsetzen und drehen. Die Sicherungskarte separat aufbewahren — nicht im Geldbeutel oder am Schlüsselbund.
5. Kosten und Fachbetrieb-Vergleich
Die Gesamtkosten für einen DIY-Tausch liegen bei 80 bis 200 Euro — das entspricht den reinen Zylinder-Kosten. Für eine Standardwohnungstür mit einem einzelnen Zylinder ist das vollkommen ausreichend.
Ein Fachbetrieb berechnet zusätzlich 60 bis 120 Euro für die Montage und An- und Abfahrt. Das lohnt sich in folgenden Fällen:
- Bei Mehrfachverriegelungen mit vier oder mehr Schließpunkten
- Bei Panzerriegeln oder Querriegel-Systemen
- Wenn das Schloss beschädigt ist und gleichzeitig ausgetauscht werden soll
- Bei Sicherheitstüren mit integrierten Schließsystemen
- Wenn die alte Befestigungsschraube festgerostet ist oder sich nicht lösen lässt
Bei akutem Notfall (nach Einbruch, Schlüsselverlust abends) ist der Schlüsselnotdienst teurer — mit Anfahrts- und Nachtzuschlag leicht 200 bis 400 Euro. Wenn möglich, den Tausch tagsüber und geplant organisieren.
Fazit
Der Zylinderwechsel ist eine der einfachsten und wirksamsten Sicherheitsmaßnahmen. Mit einem Qualitäts-Zylinder der Widerstandsklasse 5 und einem 15-minütigen Tausch steigt das Einbruchsschutz-Niveau einer Standardtür deutlich. Wichtiger als Fachbetrieb oder DIY ist die Qualität des eingebauten Zylinders — billige Baumarkt-Produkte ohne Aufbohrschutz und Sicherungskarte bieten kaum mehr Schutz als das alte Schloss.