Faraday-Tasche für Autoschlüssel: Schutz vor Keyless-Diebstahl

7 Minuten Lesezeit Aktualisiert: 19. April 2026

Keyless-Go-Systeme machen das Autofahren bequemer, aber auch anfälliger für eine spezifische Diebstahlmethode: Den Relay-Angriff. Diebe verlängern mit einfacher Elektronik das Signal Ihres Autoschlüssels aus der Wohnung bis zum Auto auf der Straße — das Auto entriegelt sich und der Motor startet. In unter 30 Sekunden ist das Fahrzeug weg.

Die Faraday-Tasche ist die einfachste und wirksamste Gegenmaßnahme. Sie schirmt das Funksignal des Schlüssels ab. Ein guter Schutz kostet unter 20 Euro — die Frage ist nur: Welche Tasche funktioniert wirklich?

Auf einen Blick

Eine Faraday-Tasche blockiert das Funksignal des Keyless-Schlüssels und verhindert Relay-Angriffe zuverlässig. Wichtig ist doppelwandige Konstruktion und eine saubere Naht — billige Einwand-Modelle versagen oft. Preis für verlässlichen Schutz: 15 bis 40 Euro.

Wie Keyless-Angriffe funktionieren

Moderne Autos mit Keyless-Entry senden ständig ein kurzes Funksignal aus. Der Schlüssel in der Tasche antwortet, wenn er in Reichweite ist — etwa ein bis zwei Meter. Diese Reichweite ist bewusst kurz, damit niemand zufällig das Auto öffnen kann.

Beim Relay-Angriff nutzen zwei Diebe zwei Geräte. Das eine Gerät steht am Auto, das andere so nah wie möglich am Haus — idealerweise direkt an der Wand, hinter der Haken, Tisch oder Schale mit dem Schlüssel sind. Die Geräte fangen das Signal zwischen Auto und Schlüssel ab und leiten es verlängert weiter. Das Auto „denkt", der Schlüssel wäre direkt da, entriegelt sich und lässt sich starten.

Der Angriff ist möglich, weil die handelsübliche Ausrüstung nur 100 bis 300 Euro kostet. Professionelle Diebe nutzen inzwischen tragbare Geräte, die in einer Aktentasche Platz finden. Die Reichweite liegt oft bei 20 bis 50 Metern, in manchen Tests wurden auch 100 Meter erreicht.

Warum die Faraday-Tasche funktioniert

Eine Faraday-Tasche besteht aus einem leitfähigen Material — meist einem Metallgeflecht oder einer metallisierten Folie — das eingehende und ausgehende elektromagnetische Signale abschirmt. Der Effekt heißt „Faraday'scher Käfig" und wurde bereits 1836 beschrieben.

Wenn der Schlüssel in die Tasche gesteckt wird, kann kein Funksignal mehr hinein oder hinaus. Das Auto bekommt keine Antwort mehr vom Schlüssel — und der Relay-Angriff versagt. Der Schlüssel funktioniert wieder normal, sobald er aus der Tasche genommen wird.

Worauf beim Kauf achten?

Die Auswahl am Markt ist riesig, die Qualität schwankt stark. Folgende Kriterien entscheiden über den tatsächlichen Schutz:

Doppelwandige Konstruktion: Hochwertige Taschen haben zwei Lagen leitfähiges Material mit einer Isolationsschicht dazwischen. Einwand-Taschen sind deutlich schwächer in der Abschirmung.

Verschluss: Ein Klettverschluss muss den gesamten Öffnungsbereich abschließen. Magnetische Druckknöpfe sind oft Schwachstellen. Ein umklappbarer Überlappverschluss ist am zuverlässigsten.

Nähte: Hochwertige Taschen haben gelötete oder doppelt vernähte Kanten. Schlechte Modelle haben Lücken in den Ecken, durch die das Signal durchkommt.

Selbsttest: Nach dem Kauf den Test durchführen. Schlüssel in die Tasche stecken, zum Auto gehen, den Türgriff berühren. Wenn das Auto öffnet, funktioniert die Tasche nicht — zurückgeben. Zusätzlicher Test: Schlüssel in die Tasche, danach versuchen, das Auto mit dem Knopf zu entriegeln. Hoch kommt dabei kein Signal durch — das Auto öffnet nicht.

Vermeiden bei Aluminiumfolie: Zahlreiche Online-Ratgeber empfehlen, den Schlüssel einfach in Alufolie einzuwickeln. Das funktioniert prinzipiell, aber die Abschirmung ist inkonsistent — jeder Riss in der Folie lässt das Signal durch. Für dauerhafte Nutzung keine empfehlenswerte Lösung.

Alternativen zur Faraday-Tasche

Drei weitere Möglichkeiten, Keyless-Angriffe zu verhindern:

Keyless-Funktion deaktivieren: Viele Hersteller bieten eine versteckte Konfigurationsoption, um die Keyless-Funktion komplett abzuschalten. Der Schlüssel wird dann zum klassischen Funkschlüssel, der nur auf Knopfdruck antwortet. Bei BMW, Audi und Mercedes oft über das Bordmenü erreichbar. Die komfortabelste Lösung für Besitzer, die Keyless nicht brauchen.

Metalldose oder Keksbüchse: Eine hermetisch schließende Metalldose wirkt ebenso als Faraday'scher Käfig. Günstig, lokal, aber unhandlich im Alltag.

Mikrowelle: Der Innenraum einer Mikrowelle ist ein perfekter Faraday'scher Käfig. Nicht für den Alltag praktikabel, aber als Notlösung im Urlaub nützlich — Schlüssel einfach in die Mikrowelle legen, ohne sie einzuschalten.

Fazit

Eine Faraday-Tasche ist für Keyless-Fahrzeuge das effektivste Schutzmittel gegen Relay-Angriffe. Für 15 bis 40 Euro bekommt man einen zuverlässigen Schutz. Entscheidend ist Qualität — nicht jede Tasche hält, was sie verspricht. Der Selbsttest direkt nach dem Kauf ist Pflicht. Wer Keyless nicht zwingend braucht, deaktiviert es einfach — das ist die bequemste und sicherste Lösung.